Bilderdienste Österreich > Gedanken eines Fotolaborbetreibers über 5-Cent-Fotos


Gedanken eines Fotolaborbetreibers über 5-Cent-Fotos
von fotospeed, geschrieben am 23.02.2008 10:46:
Liebe Leute, ich lese und staune! Ich denke es ist an der Zeit hier auch mal die Gedanken eines Fotolaborbetreibers abzudrucken. Zum Einstieg einmal eine kleine Rechenaufgabe:

Was kostet ein Foto im Format 9x12 cm wirklich in der Herstellung:

1. Das Verbrauchsmaterial kostet zwischen 3 und 3,5 Cent netto
# Fotopapier
# Fotochemie
# Altchemieentsorgung
# Strom

2. Ein Laserausbelichter besserer Qualität (Noritsu oder Fuji) kostet ca. 80.000 Euro und hält ca. 4 Millionen Fotos. Das sind dann umgerechnet 2 Cent pro Foto.

Das sind dann in der Summe 5-5,5 Cent netto pro Bild
Wenn Sie billigstes Papier, billigste Chemie und billigste (=schlechte) Geräte verwenden, kostet ein Foto immer noch auf 3,5 Cent netto pro Stück in der Produktion.

Dazu kommen aber noch viele andere Kosten wie z.B.:
# Personalkosten
# Miete
# Heizung
# Versicherungen
# Gewerbesteuer
# Buchhaltung
# EDV
# Serververwaltung/Programmierung
# Wartung/Ersatzteile

Wenn Sie also nun ein Foto billigster Qualität für 5 Cent (brutto) pro Stück kaufen, dann bleibt dem Fotolabor maximal 1 Cent pro Foto Foto um diese Zusatzkosten abzudecken.

Wohlgemerkt, wir reden hier immer noch von den Produktionskosten - nicht von einem möglichen Gewinn!

Nun fragen Sie sich sicher, wovon leben dann die Fotolabore die Fotos für 5 Cent verkaufen?
Die Frage ist ganz einfach beantwortet: Der Gewinn ergibt sich nur durch die Versandkosten (daher haben manche Fotolabor auch die Bestellmenge zahlenmäßig limitiert, damit die Porto- und Verpackungskosten kosten nicht zu hoch werden.

Und nun lese ich, dass sich dutzende verärgerter Kunden über diese Fotolabore beschweren; schlechte Bildqualität, die Service-Hotline ist nicht besetzt, Emails werden nicht beantwortet etc.
Auch hier gibt es wieder eine ganz einfache Erklärung dafür: jedes Email das beantwortet wird und jeder Telefonhörer der abgenommen wird, kostet mehr Geld als der Auftrag an „Gewinn“ bringt.
Ehrlich gesagt verstehe ich auch nicht die Aufregung dieser Kunden. Sie haben doch genau das bekommen was sie bestellt haben. Das billigste Produkt.

Ulrich Schnarr, Inhaber der Firma www.fotospeed.at